O wie Offspace

Unter Offspaces versteht man selbstorganisierte, unabhängige Kunsträume, die neben Institutionen, Galerien und Kunstmessen einen wesentlichen Teil zur Landschaft der bildenden Kunst beitragen. Die Lust am Experimentieren, die künstlerische Freiheit und die offenen und selbstgestalteten Strukturen stehen beim Offspace im Vordergrund.

Nicht selten kommt es auch zu Kooperationen oder gegenseitiger Beeinflussung zwischen den verschiedenen Kunstorten.

Ein Vorläufer der Offspaces findet sich bereits Mitte des 19. Jahrhunderts in der «Secession», in der sich Künstler oder Künstlergruppen mit dem Bedürfnis und der Notwendigkeit, ausserhalb von vorhandenen Strukturen Kunst zu produzieren und auszustellen, von den damaligen, etablierten Institutionen abwandten. In den 1960er-Jahren deutete sich das Konzept des Offspace als Gegenmodell zum White Cube an. An Örtlichkeiten ausserhalb der White Cubes stellten provokante Positionen künstlerische sowie gesellschaftliche Konventionen in Frage.

Seit den 1990er-Jahren entwickeln sich Offspaces oft in Zwischennutzungen, in denen sie künstlerische Praxis, alternative Wohnformen oder soziale und kulturelle Begegnungszonen miteinander verbinden und vermehrt kontextualisierte Kunst mit gesellschaftspolitischem Inhalt zeigen. Die lokale und regionale, teilweise auch nationale und internationale Vernetzung der Offspaces ist ihre Besonderheit und Stärke.

Offspaces übernehmen häufig eine Pionierrolle, die mit wenig finanziellen Mitteln, aber mit viel Herzblut am Laufen gehalten wird. Die meisten Räume werden mit kleinen bis mittleren Beträgen subventioniert, ein Grossteil der Arbeit geschieht ehrenamtlich. Hohe Subventionen würden ein Einhalten der Rahmenbedingungen und Subventionsvereinbarungen sowie eine Professionalisierung des administrativen Betriebs verlangen – eine Herausforderung und ein Dilemma für den unabhängigen, subversiven Offspace...

In den letzten Jahren haben diverse kommerzielle Galerien den Gedanken der Experimentier- und Förderplattform wieder verstärkt aufgenommen. So entstehen neben den gängigen Showrooms von Galerien geführte Projekträume, die diese Funktion übernehmen. Andererseits existieren alternative Projekträume oder Offspaces, die trotz Subventionen im Kunstmarkt Fuss fassen und sich als junge, experimentelle Galerien etablieren möchten. Es scheint, als seien die Grenzen zwischen den unterschiedlichen Kunstorten eher elastisch geworden. 

Erklärt von: Anita Bättig, Szenografin, Ausstellungsmacherin und Kulturschaffende

P wie Pianissimo
Kulturlexikon

«Pianissimo (ital.), abbreviert durch pp, ist das dritte Echo, welches lässt, als wenn die Stimme in die Luft zerginge.» [Walther, Musicalisches Lexicon, 1732]

I wie Intersektional
Kulturlexikon

Das Wort stammt vom englischen «intersection», was Schnittmenge oder Schnittpunkt bedeutet. Intersektionalität beschreibt die Wechselwirkung mehrerer Diskriminierungsformen, von der Personen…

B wie Bien
Kulturlexikon

Ein Begriff der Imkersprache, dessen Ursprünge zurückreichen ins 19. Jahrhundert. Hervorgebracht wurde er vom Imker Johannes Mehring, der Bienenvölker als «Einwesen» bezeichnete.

K wie Kulturerbe
Kulturlexikon

Das Doppelwort sagt es: Kultur ereignet sich nicht allein als flüchtiges Erlebnis und als Sensation des Augenblicks. Sie wird, vor allem als materielles Zeugnis eines Kulturakts, auch vererbt.

A wie Autofiktional
Kulturlexikon

Autofiktional nennt man fiktionale Texte mit einem mehr oder weniger grossen autobiographischen Anteil. Die Grenze zwischen dem, was erfunden ist, und dem, was aus der realen Lebenswelt des*r…